Stäbelow: Mobile Kelterei mit politischem Anspruch stellt sich vor

Die Gründungsmitglieder des Kollektivs 9 Raben vor der mobilen Anlage mit Schabermühle, Packpresse, Filter und Pasteur.
Die Gründungsmitglieder des Kollektivs 9 Raben vor der mobilen Anlage mit Schabermühle, Packpresse, Filter und Pasteur.

Seit diesem Jahr existiert eine neue mobile Saftpresse im Raum Rostock, die „Kollektiv 9Raben eG“. Angefangen hatte es bereits vor 10 Jahren, als einer der Gruppe während seines Agrarökologie-Studiums Äpfel aus dem eigenen Garten und von umliegenden Streuobstwiesen zu Saft verarbeitete. Im Lauf der Jahre kamen Freunde dazu, denn Arbeit und Spaß zu verbinden war das Motto. Äpfel, Birnen und Quitten wurden gemeinsam gesammelt, gewaschen, gehäckselt und gepresst. Versuche mit Rote Bete oder Pflaumen begeisterten oder scheiterten. Dazu wurde Musik von Hand gemacht, die Disco gab es aus dem Bauwagen. Legendär ist das nächtliche Abfüllen von Saft aus dem selbstgebauten Pasteurisierer, im kleinen Fahrradschuppen bei Saunatemperaturen. Dabei durften politische Gespräche nicht fehlen. Themen waren z.B. ökologische Produktion, Umweltpolitik und Anti-Atom-Aktionen oder Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft.

Schließlich kam der Gedanke auf: Warum nicht Nägel mit Köpfen machen und bezahlte Arbeit selbst organisieren, im Nebenerwerb und gerne auch mehr? So wird im Januar 2015 eine eigene Genossenschaft gegründet, ohne Chef, mit gleichem Lohn für alle und alles! Unabhängig von den Geschäftsanteilen, mehr noch: im Konsens soll entschieden werden, damit auch leisere Stimmen nicht überhört werden.

Eine leistungsfähige mobile Anlage wird gekauft, Termine in Kleingartenanlagen, bei Festen und am „Stammsitz“ in Stäbelow-Wilsen werden organisiert. Dann ein Glücksfall: Eine stationäre Kelterei in Brandenburg ist durch Straßenbau fast von der Umwelt abgeschnitten und will das Lohnmosten abgeben. Eine große Menge Obst ihrer Stammkundschaft rollt auf das Kollektiv zu und wird in Nachtschichten bewältigt. „So macht Selbstausbeutung Spaß!“, sagt Johannes Wollbold, bisher als Dr. rer. nat. und Schreibtischarbeiter an der Uni Rostock beschäftigt.

Ab dem 10.10. geht es in Mecklenburg weiter. Nach Absprache können die Äpfel gleich verarbeitet werden, die Produktion des eigenen Safts kann verfolgt werden. Mitmachen ist möglich, und kulinarische oder kulturelle Beiträge sind erwünscht. Am 17.10. gibt es einen Workshop in westafrikanischem Trommeln mit J. Wollbold, anschließend Improvisation zusammen mit den „Freien Trommlern“ aus Rostock. Weitere Musikinstrumente können eingebracht werden. Auch eine Ausstellung zu ArbeiterInnen in der Atomindustrie wird zu sehen sein.

Saisonabschluss wird am 7./8.11. sein, mit Krönung von Saftkönig und Saftkönigin. Mitmachen können „kleine, große oder auch sehr große Kinder“. Termine und Infos unter www.9raben.de und bei Christoph Redwitz (0176 24603164).

Sie möchten Ihr Unternehmen aus der Region auf „Wat geiht?“ vorstellen?

Unternehmen aus dem Bereich des Amtes Warnow West (Elmenhorst, Lichtenhagen, Stäbelow, Kritzmow, Papendorf, Ziesendorf, Pölchow und Lambrechtshagen) haben auf www.Wat-geiht.de die Möglichkeit Ihr Unternehmen vorzustellen. Der Eintrag ist kostenlos.

Über Jan Neuhoff 601 Artikel

1974 in Hamburg geboren und in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg aufgewachsen, ist seit 1995 Mecklenburg Vorpommern meine Heimat. 2004 bin ich von Rostock nach Sildemow gezogen. Seit dem engagiere ich mich für die Gemeinde Papendorf. Für fast 2 Jahre habe ich als fachkundiger Bürger im Sozialausschuß der Gemeindevertretung Papendorf mit gearbeitet. von 2009 bis 2015 war ich Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Papendorf und habe dort als Jugendwart die Kinder- und Jugendfeuerwehr geleitet.

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